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Lebendiges Kulturerbe

Flurnamen

Benennungen unbewohnter Objekte im Umfeld menschlicher Ansiedlungen werden als Flurnamen bezeichnet. Das Spektrum ist breit – es umfasst Namen in nur dĂŒnn besiedelten und sporadisch von Menschen aufgesuchten Regionen („Wildnis“) ebenso wie in postindustriellen Landschaften, z. B. der Berg­bau­folge­land­schaften.

Im klassischen Sinne sind Flurnamen aber eine Sache bÀuerlicher Gemeinschaften in lÀndlichen Siedlungen. Diese Gemeinschaft bewirtschaftet die dieser Siedlung (in den meisten FÀllen dem Dorf) zugehörigen NutzflÀchen, die die Gemarkung dieser Siedlung bilden. Die landwirtschaftlichen VerhÀltnisse erforderten jahrhundertelang eine enge Abstimmung untereinander, sodass eine Sprachgemeinschaft vorliegt, die Flurnamen schuf und verwendete. Diese Namen bilden (bis zu einem gewissen Grad) die naturrÀumlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen VerhÀltnisse der Gemarkung und ihrer Bewohner ab, nicht zuletzt auch die sprachlichen.

Sorbische Flurnamen können auch noch lange nach dem Verklingen des Sorbischen existieren, und weite Teile der Lausitz sind von einer großen Menge von Flurnamen sorbischen Ursprungs geprĂ€gt. Allerdings sind Flurnamen auch vergĂ€nglich und verĂ€nderlich und nicht immer jahrhundertealt. Vor allem in den letzten 150 Jahren mit ihren großen gesellschaftlichen VerĂ€nderungen gerieten viele Flurnamen in Vergessenheit.

Auch wenn diese Namen zuerst und ĂŒberwiegend mĂŒndlich verwendet und von Generation zu Generation weitergegeben wurden, ist ihre schriftliche Aufzeichnung essenziell fĂŒr die Dokumentation ihrer VerĂ€nderlichkeit und ihrer AusprĂ€gung in frĂŒheren Zeiten. Die Aufzeichnung erfolgte einerseits im Zusammenhang mit rechtlichen Dokumenten, insbesondere im Hinblick auf die BesitzverhĂ€ltnisse.

Anderseits wurden bereits im 19. Jahr­hundert Flurnamen aus historischem und sprachlichem Interesse gesammelt. FĂŒr die Lausitzer Sprachlandschaft sind diese Sammlungen von entscheidender Bedeutung. Daneben gibt es auch zahlreiche lokale Initiativen und Einzelpersonen, die sich fĂŒr die Sammlung, Bewahrung und PrĂ€sentation von Flurnamen engagieren.

(Verfasser: Christian Zschieschang, Sorbisches Institut)

Es ist lebendiges Kulturerbe, das sich durch seine Dynamik auszeichnet. Das bedeutet, dass es sich in der AusfĂŒhrung und Weitergabe ĂŒber Generationen hinweg wandelt und anpasst. Dadurch wird es tradiert und bleibt lebendig.

Siehe auch „Sorbische Eigennamen in der Niederlausitz“.