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Serbska drasta
Ines Keller

Verbreitung der Trachten in der Nieder- und Oberlausitz; Karte: Iris Brankatschk

Kleidung ländlicher und kleinbürgerlicher Kreise, die zeitlich, regional, konfessionell und bei den Sorben auch ethnisch bestimmt ist. Sie widerspiegelt den sozialen Status und wechselt je nach Anlass.

In der Ober- und Niederlausitz war die Tracht v. a. Kleidung der ländlichen Bevölkerung. Bis Mitte des 18. Jh. legten Kleiderordnungen fest, welches Material und welcher Schmuck von welchem Stand getragen werden durfte. Dem einfachen Volk war der Gebrauch von Gold, Silber und Seide verboten, zur Herstellung von Kleidungsstücken sollten nur einheimische Textilien sowie Leder verwendet werden. Nach der Französischen Revolution änderte sich der Kleidungsstil, Trachten wurde als soziales Zeichen bäuerlicher Lebensweise wahrgenommen. Im Zuge der Romantik und der nationalen Wiedergeburt wurde sie zum äußeren Symbol ethnischer Zugehörigkeit und zum visuellen Ausdruck sorbischer Identität. Seitdem heißt es obersorb. wona chodźi serbska oder burska bzw. niedersorb. chojźi burska ,sie geht sorbisch’, wenn eine Frau in Tracht geht. Die Gleichsetzung von burska ,bäuerlich’ mit serbska ,sorbisch’ ist Ausdruck der sozialen Gegebenheiten, wonach die sorbische Bevölkerung weitgehend auf dem Lande lebte. Die neue Wertschätzung, die die Tracht als Objekt der ethnischen Repräsentation erfuhr, konnte jedoch nicht verhindern, dass sie in den Städten und den Randzonen des sorbischen Siedlungsgebiets allmählich abgelegt wurde. Wie überall in Europa betraf das zuerst die Männertracht, bis ca. 1900 auch einen Großteil der Frauentrachten. Zu Beginn der 1950er Jahre gingen in der gesamten Lausitz mehr als 10 000 Frauen täglich in Tracht, 2010 waren es noch etwa 400 ältere Sorbinnen. Soziale Umstrukturierungen Mitte der 1960er Jahre, so die Arbeit in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (→ Kollektivierung der Landwirtschaft), beschleunigten das Ablegen der Tracht im Alltag. Im 20. Jh. können modische Veränderungen in Farbe, Schnitt oder Stoffwahl beobachtet werden, was u. a. auf den Einfluss von Trachtenschneidern, - schneiderinnen oder Stickerinnen zurückzuführen ist. Weitaus signifikanter beim Trachtragen ist allerdings die Einhaltung der Norm, worauf bis heute vor allem die Ankleidefrauen beim Anlegen von Festtrachten achten.

Oderwendische Tracht; Fotograf: Albrecht Lange, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Mädchentracht aus Neu Zauche; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der sorbischen Tracht reichte über das Territorium der heutigen zweisprachigen Ober- und Niederlausitz hinaus. So weisen z. B. die Altenburger und Thüringer Trachten sorbische Einflüsse auf, auch die Trachten im ehemaligen Kurmärkisch-wendischen Distrikt können den sorbischen zugeordnet werden. Nördlich von Fürstenberg (Eisenhüttenstadt), zwischen Pleiske und Oder bis nahe Crossen, trugen bis zur Vertreibung der deutschen und sorbischen Bevölkerung infolge des Zweiten Weltkriegs die meisten Frauen über 40 die sog. oderwendische Tracht (→ Östliche Lausitz).

Spreewälder Tracht um Lübbenau; Fotograf: Richard Klau, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Die Tracht der Frauen setzt sich im Allgemeinen aus folgenden Teilen zusammen: Unterrock, Rock, Schürze, Hemd, Kittelchen, Mieder, Jacke, Haube, Kopftuch und Strümpfe. Die Arbeitstrachten in dunklen Farben oder mit Blaudruck, meist hergestellt aus groben Leinenstoffen, unterschieden sich regional unwesentlich voneinander. Besonders bei den Festtrachten haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Formen herausgebildet, die es erlauben, einzelne Trachtenregionen zu definieren, sowohl hinsichtlich der heute noch getragenen Trachten als auch hinsichtlich der sog. Truhentrachten. Als Truhentrachten werden Trachten bezeichnet, die im 20. Jh. in der jeweiligen Region nicht mehr getragen wurden. Das trifft auf das Gebiet zwischen Neu Zauche und Lübbenau im Norden, Senftenberg, Spremberg und Bad Muskau sowie um Nochten und Klitten bzw. auf das Bautzener Land zu.

Spremberger Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Das Kirchspiel Neu Zauche am Nordrand des Oberspreewalds umfasste sieben Dörfer. Hier wurde zwischen ca. 1830 und 1880 zu jeder Fest- und Feiertagskleidung eine weiße Barthaube (niedersorb. krjuzata mica) getragen, um deren unteren Saum eine plisseeartig gepresste Halskrause verlief, die hinten stark und seitlich leicht heruntergebogen war. Zur Vereinfachung der Tracht kam es, als durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach 1870 viele preiswerte Stoffe den Markt eroberten. Der handgewebte Warprock wurde durch einfarbige Röcke aus Wolle oder Tuch ersetzt, die Schürzen nicht mehr aus Kaschmir, sondern aus Seide in allen Farben hergestellt und mit breiten Spitzen aus Tüll eingefasst. Es änderte sich die Jackenform – die Sackjacke löste die bisherige Polkajacke ab. Um 1900 entfiel das Kopftuch beim Tanz. 1926 wurde die Tracht von den Mädchen endgültig abgelegt. 1945 waren die jüngsten Frauen in Tracht über 40; für 1955 ermittelte Ernst Tschernik noch 184 Trachtenträgerinnen, bis 1970 ging ihre Zahl auf 70 zurück.

Das Trachtengebiet um Lübbenau konzentriert sich auf die 15 Ortschaften der Standesherrschaft Lübbenau mit dem Kirchspiel Lübbenau, den Filialkirchgemeinden Zerkwitz und Groß-Lübbenau, den Kirchorten Bischdorf, Kahnsdorf und Kückebusch. Hier hatten sich Reste der einstigen Männertracht relativ lange erhalten, etwa Vorhemdchen, Leinenhose und Leinenkittel bei der Arbeit oder bunte Sträuße bei Hochzeiten und zur Fastnacht. Bis Mitte des 19. Jh. gehörten Männer in weißen Leinenröcken und mit Pelz verbrämten Sackmützen zum üblichen Bild. Zum Kirchgang trugen Frauen bis 1875 gestreifte handgewebte Röcke, deren Rand mit farbigen Seidenbändern besetzt war, Seidenschürzen sowie seidene, farblich abstechende Taillenbänder, Seidenhalstücher und eine Barthaube mit nach hinten herabhängender breiter Tüll- und farbiger seidener Kinnschleife. Die Haubenform veränderte sich unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung, v. a. durch den Fremdenverkehr. Die Halskrausen wurden weggelassen und Kopftücher aufgesetzt. Mädchen gingen bis ca. 1925 ab dem Schulalter in Tracht. 1955 ergaben Zählungen 173 Trachtenträgerinnen, um 1970 waren es noch etwa 60 Frauen.

Muskauer Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Das Trachtengebiet um Senftenberg und Spremberg (→ Senftenberger Region, → Spremberger Region) umfasste ca. 140 Orte. Charakteristisch waren Röcke mit Samtbändern (Bandröcke) und kleine Hauben mit schwarzen Wollbändern. Zur Fest- und Kirchgangstracht gehörten spitzenverzierte Barthauben. Die Frauen wählten mit zunehmendem Alter dunklere Farben. Bei der Hochzeitstracht dominierte Schwarz. Die Braut- und Brautjungferntracht wurde durch Weiß, Grün und Blau, die Ehrenjungferntracht durch Rot ergänzt. Unterschiede zwischen ledigen Mädchen und jungen verheirateten Frauen wurden nicht gemacht. Eine Männertracht, bestehend aus Leinwandhemden, Leinwand- oder Tuchhose sowie Schirmmütze, wurde um 1880 nur noch von der mittleren und älteren Generation getragen.

Nochtener Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Zum Muskauer Trachtengebiet gehören die 15 Dörfer der Kirchspiele Gablenz und Bad Muskau (→ Muskauer Standesherrschaft). Frauen legten zum Kirchgang rot oder blau gemusterte weiße Kopftücher, ebensolche Schürzen, Tuchrock und Schoßjacke an. Auffälligstes Merkmal war die Haube mit am vorderen Saum angehefteter gestärkter Krause (sorb. krjuzata hawba) und rotem, grünem oder schwarzem Kopfband. Die Männer kleideten sich schon Ende des 18. Jh. bürgerlich. Einzelne zeitlose Stücke, wie Leinwandhemden, graue oder blaue Vorhemdchen aus Tuch oder die schwarze runde Mütze mit schmalem Lederschirm, waren Ende des 19. Jh. noch üblich. Sorbisch gekleidete Streckenarbeiterinnen beim Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Görlitz (1867) gehörten zum typischen Bild. Mit der Industrialisierung setzte um 1880 das Ablegen der traditionellen Frauentracht zugunsten einer einfacheren, unauffälligeren Kleidung ein, die Elemente der sorbischen Tracht und der deutschen bürgerlichen Kleidung vermischte. Die „halbdeutsche“ Tracht verzichtete auf die Hauben, die hohe Festtracht und auf innerhalb des Kirchenjahrs farblich variierende Elemente, wodurch die Trägerin Kleidungsstücke und Geld sparte. Wichtig für die Modifizierung war die Erfindung der Nähmaschine. Sie ermöglichte vielen Frauen, selbst zu nähen. Die „halbdeutsche“ Tracht behauptete sich bis Anfang des 20. Jh.

Das Nochtener Gebiet erstreckte sich über die Dörfer Nochten, Tzschelln und Sprey. Hier glich sich die Tracht erst nach 1890 der städtischen Mode an. Auffallend war die Dominanz der Farbe Rot in der sommerlichen Ausgangs- und Kirchgangstracht der Mädchen und jungen Frauen: rotgestreifte Röcke, rotbunte Schürzen, rotbunte langärmlige Kittelchen, ebensolche Halstücher und Spitzenhauben, dazu blaue Strümpfe und schwarze Schuhe. Bei den Frauen mittleren Alters überwog Blau.

Ostersängerinnen aus Klitten, 1896; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Auffallend viele Ähnlichkeiten bei den Festtrachten gab es zum benachbarten Klittener Gebiet, zu dem 19 kleine Dörfer der Kirchspiele Klitten, Kreba und Reichwalde gehörten. Auch hier herrschte Rot in der Kirchgangstracht der Mädchen vor: rote Spitzenhaube mit roter Haubenbinde – ein zur Binde gefaltetes Tuch, um Stirn und Haube gelegt und auf dem Haubenboden verknotet –, ein roter Rock mit roter Kattunschürze über dem Hemd und dem Kittelchen mit jeweils langen bunten Ärmeln. Jüngere Frauen gingen in den Farben Grün und Blau, ältere in Schwarz. Besonders bekannt geworden ist die Tieftrauertracht, die als Teil der Sammlung von Oskar Kling zur ländlichen Kleidung wiederholt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg ausgestellt wurde. Sie bestand aus einer weißen Haube, einer weißen Haubenbinde und einem großen Trauertuch. Außerdem wurde über Mund und Brust ein diagonal gefaltetes, weißes Trauertuch gelegt. Mitte des 19. Jh. orientierte sich die Bevölkerung zunehmend an der Bautzener Tracht. So wurde die spitzenbesetzte, schwarzsamtene Festtagshaube übernommen, die die weiße Frauenhaube ersetzte. Die modernisierte Klittener Tracht unterschied sich von anderen „halbdeutschen“ Trachten dadurch, dass sie bis zu ihrer endgültigen Aufgabe (nach 1870) zu wichtigen Anlässen die Haube bewahrte. 1956 gingen in Kreba noch 37 alte Frauen so gekleidet.

Bautzener Mädchentracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Die Verbreitung der Tracht um Bautzen ist nicht mehr exakt lokalisierbar. Ausgegangen wird von etwa 35 Kirchspielen, in denen die Tracht aber schon Anfang des 19. Jh. schrittweise abgelegt wurde. Mädchen trugen oft einen weißen Kattunrock, Seidenschürze und eine weiße gestickte Tüllhaube. Einzelne Trachtenteile unterschieden sich von Ort zu Ort, so z. B. in der Kleidung der Konfirmandinnen. Einheitlich schwarz waren Rock, Spenzer und Schürze, lokal unterschiedlich der Kopfputz: entweder eine Flügelhaube oder ein kleines weißes Trauertuch, das bis zu den Hüften reichte. Die schwarze Haube mit schwarzer Spitzeneinfassung und das mit Knöpfen versehene Mieder waren Zeichen der verheirateten Frau. Mädchen und Jungen gingen bis zum 4. Lebensjahr in Röckchen. Dann bekamen Jungen Hosen und Mädchen eine vereinfachte, bunte Erwachsenentracht. Die Männertracht unterschied sich um 1800 wenig von der deutschen bzw. der böhmischen, mit der sie farbig umnähte Knopflöcher und die Jacke gemeinsam hatte.

Derzeit tragen in vier Regionen der Lausitz ältere Frauen noch täglich die Tracht: um Cottbus, um Hoyerswerda, um Schleife sowie in der katholischen Region. Die Region um Cottbus (→ Cottbuser Kreis) ist heute das größte sorbische Trachtengebiet und erstreckt sich nördlich bis nach Forst, Guben, Calau und Lübben. Etwa 60 Ortschaften gehören dazu. Die Tracht wird oft als „Spreewaldtracht“ bezeichnet, obgleich der Spreewald nur einen geringen Teil des Gebiets ausmacht. Charakteristisch sind der Bandrock – mit aufgenähtem Besatz aus weißem oder hellfarbigem Seiden- bzw. schwarzem Samtband, breiter weißer Spitze und mit Blumenranken bestickt – und das große Kopftuch. Früher wurde es aus einem einzigen Tuch gebunden, seit etwa 1925 aus drei Teilen. Es gibt zwei grundlegende Typen: das spitze Kopftuch, das um Cottbus, Groß Lieskow und Jänschwalde getragen wird, und das breite Kopftuch. Mit seiner endgültigen Ausformung stieg das Kopftuch aus der Arbeitstracht über die Kirchgangstrachten in die höchsten Festtrachten auf und verdrängte die noch üblichen Mützenformen, u. a. den bis dahin für die Braut- und Brautjungferntrachten charakteristischen Kopfputz, den hupac. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Tracht von fast allen sorbischen Mädchen und Frauen getragen. Während der NS-Zeit erfuhr sie als „deutsche Spreewaldtracht“ zunächst eine gewisse Förderung und Pflege und wurde gern zu Trachtenfesten gezeigt. Nach 1945 legten Kinder vielfach die Tracht zum Abholen der Ostergeschenke an. Die Männerkleidung war bereits seit dem 19. Jh. bürgerlich, obgleich weiterhin Leinwandhemden mit einfachen Stickereien, Leinwandhosen und -kittel benutzt wurden. Das in der Vorweihnachtszeit die Haushalte besuchende Christkind, ein Bescherbrauch (→ Weihnachtsbräuche), der bis heute in Jänschwalde gepflegt wird, trägt eine besondere Form der Mädchenfesttracht. Um 2005 gab es noch etwa 100 Frauen, die täglich in Tracht gingen.

Tracht um Cottbus; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Zur Schleifer Region zählen die sieben Dörfer des Kirchspiels Schleife. Die ärmlichen wirtschaftlichen Verhältnisse schlugen sich in der Wahl der Stoffe nieder: Grundmaterialien sind Wolle und Leinen. Über den knielangen Miederrock aus blaugrün gestreiftem, eng plissiertem Wolltuch wird eine großflächige Blaudruckschürze gebunden. Die Haube, am Hinterkopf mit einer Pappscheibe verstärkt, besteht bei Mädchen aus rot gemustertem und bei Frauen aus blau- oder grünweißem Stoff. Hier bildete sich eine eigene Kindertracht heraus. Mädchen und Jungen trugen bis zum 4. Lebensjahr ein rot gemustertes, meist kariertes Kleidchen und eine rote Haube. Danach bekamen die Jungen Hemd, Hose, Jacke und die Mädchen einen Miederrock. Ihre Alltagskleidung unterschied sich mit dem Schuleintritt nicht mehr von der der weiblichen Jugend. Von der Männertracht erhielten sich bis zum Ersten Weltkrieg ein blauer Kirchgangsmantel sowie schwarze und rotbunte Halstücher. Neben den üblichen Trachtenvarianten existiert auch hier die Tracht des Christkinds, zu der bis heute jedes Mädchen bestickte Bänder und Kinnschleifen als Auszier von Ärmeln, Rock und Schürze beisteuert. Veränderungen der Tracht um 1880 zeigten sich u. a. im Übergang von der weißen zur schwarzen Trauerfarbe mit Ausnahme von weißen Hauben, die während der Trauerzeit getragen werden. Neben der traditionellen bildete sich die „halbdeutsche“ Tracht heraus, die durch ihre Vereinfachungen, das Fehlen von Hauben und fast ausschließlich industriell gefertigtes Material komfortabler erschien und von etwa 10 % der Trachtenträgerinnen übernommen wurde. 1955 trugen nahezu alle Frauen über 30 in Halbendorf, Trebendorf, Rohne, Mulkwitz und Mühlrose ständig Tracht, in Schleife und Groß Düben nur ein Teil. 2002 wurden 75 Personen gezählt.

Schleifer Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Zum Hoyerswerdaer Trachtengebiet (→ Hoyerswerdaer Land) gehörten 28 Ortschaften. Die Tracht ist aus Leinen- und Wollstoffen hergestellt, es dominieren klare, kräftige Farben. Typisch für die Sonntags- und Festtracht der Mädchen und jüngeren Frauen sind der orangefarbene Oberrock, die schwarzseidene Haube mit Schleife im Nacken und die gleich geformte weiße Tüll- und Weißstickereihaube der Mädchen. Da echter Schmuck für die Bewohner der Heidegebiete früher unerschwinglich war, wurde er durch Glasperlen und Flitter ersetzt. Die Vielfalt dieser Tracht zeigen die lokalen Varianten der Festkleidung. Eine Kindertracht gab es bis zum Zweiten Weltkrieg, die sich in der Form nicht von der Tracht der Erwachsenen unterschied. Bis Anfang der 1930er Jahre kleidete man auch Jungen bis zu vier Jahren in trachtenrockähnliche Kleidchen. Die Männertracht hatte sich im 19. Jh. der deutschen Kleidung angeglichen. Am längsten hat sich der lange blaue Mantel mit rotem Futter und glänzenden Knöpfen erhalten. Weitere Trachtenelemente wie Hosen, Westen und Jacken aus Leinwand oder die blaue Latzschürze wurden in der Arbeitskleidung bewahrt. 2002 gingen hier 68 Frauen ständig in Tracht.

Die katholische Tracht wird in etwa 70 Orten der Altkreise Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda getragen. Der Wohlstand dieser Region zeigte sich auch in der Verwendung hochwertiger Materialien wie Tuche und Wollstoffe mit Pelzverbrämungen, Seide und Spitze. Verhältnismäßig strenge Formen wie der bis zu den Knöcheln reichende lange Rock oder dunkle Farben in der Kirchgangstracht werden auf den Einfluss der Religion zurückgeführt. Auffallend ist das breite schwarzseidene, zur Schleife gebundene Kopfband, das über den Rücken lang herabhängt. In der Brautjungferntracht sind diese Kopfbänder rosa. Rot symbolisiert die Jugend, Grün ist die Farbe der Braut, Schwarz und Weiß haben zeremonielle Bedeutung und sind gleichzeitig Trauerfarben. Braut und Brautjungfer ziert ein Halsschmuck aus Silbermünzen, den ein feines Netz aus Glasperlen überdeckt. Zur Trauer- und Prozessionskleidung gehört ein weißes, gestärktes Leinentuch, das den gesamten Oberkörper umhüllt. Seit 1975 wird es immer weniger getragen mit Ausnahme der Crostwitzer Kirchgemeinde, wo es in den letzten Jahren wieder häufiger angelegt wird. Es gibt keine besondere Kindertracht, nur eine verkleinerte Form der Mädchentracht. Vor 1900 gingen alle sorbischen Schulmädchen in Tracht, bis zum Ersten Weltkrieg die Mädchen in den oberen Klassen bzw. nach der Schulentlassung. Die einstige Männertracht war um 1880 fast verschwunden. 2005 wurden 191 Frauen gezählt, die ständig in Tracht gingen; die Jüngste war 63.

Hoyerswerdaer Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

In den 1980er Jahren kam es zu einer Art Trachtenrenaissance bei religiösen, familiären und kulturellen Feiern. Festtrachten wurden von Mädchen und Frauen zunehmend in Heimat- oder Trachtenvereinen gepflegt und zu bestimmten Anlässen präsentiert. Dieser Trend setzte sich nach der politischen Wende von 1989/90 fort.

Katholische Tracht; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Die sorbische Tracht erfuhr bereits früh das Interesse von Gelehrten. Erste Beschreibungen finden sich um 1720 bei Abraham Frencel. Weitere Schilderungen folgen in Jan Hórčanskis Studie über die Sitten und Bräuche der Sorben (1782), in der Volksliedersammlung von Jan Arnošt Smoler und Leopold Haupt (1841/43) und schließlich 1884–86 in Arnošt Mukas „Statistika Serbow“. 1897 erschien das Album „Sächsische Volkstrachten und Bauernhäuser“ (→ Ausstellung des Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes 1896), für das Muka die Trachten einzelner Parochien und Regionen beschrieben hatte, die mit zahlreichen Fotografien dokumentiert wurden. Die regionale Vielfalt der sorbischen Trachten bezeugen auch die Trachtenserien des tschechischen Malers Ludvík Kuba (1922/23). Die bis heute gültige regionale Zuordnung der Trachten stützt sich im Wesentlichen auf dessen Studien (1927, 1931). Eine frühe Zeichnung existiert von Heinrich Theodor Wehle: „Landschaft mit Wassermühle bei Kreba“ (Ende des 18. Jh.). Nathanael Gottfried Leske nahm in seiner „Reise durch Sachsen“ (1785) Kupferstiche von Johann Salomo Richter auf, die in Tracht gekleidete Sorben zeigen. Weitere Abbildungen sind zu finden in Johann Samuel Graenichers „Costumes in Sachsen“ (um 1805), Albert Kretschmers „Deutsche Volkstrachten“ (1870), „Das große Buch der Volkstrachten“ (1887) und Friedrich Hottenroths „Deutsche Volkstrachten“ (1898–1902). Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. wurde die sorbische Tracht fotografisch dokumentiert, meist in größeren Reisebeschreibungen einzelner deutscher Regionen oder Länder. Die systematische Dokumentation und Erforschung aller vorhandenen Varianten erfolgte nach 1945 mit der Institutionalisierung der Volkskunde am Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen (→ Sorbisches Institut). Bis 1991 erschien die fünfbändige Dokumentation „Sorbische Volkstrachten“ mit zehn Monografien (jeweils ein Buch pro Trachtenregion).

Lit.: Sorbische Volkstrachten = Serbske narodne drasty, Bautzen 1954–1991; L. Balke/A. Lange: Sorbisches Trachtenbuch, Bautzen 1985 (Neuauflage 2002); L. Gerbing: Die Thüringer Trachten in Wort und Bild, Hg. M. Moritz, Köln/Weimar/Wien 1998; A. Lange: Die oderwendische Tracht von Aurith und Ziebingen, Bautzen 1998; B. Miehe: Der Tracht treu geblieben. Studien zum regionalen Kleidungsverhalten in der Lausitz, Bautzen 2003; C. Selheim: Die Entdeckung der Tracht um 1900. Die Sammlung Oskar Kling zur ländlichen Kleidung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg 2005; Trachten als kulturelles Phänomen der Gegenwart, Hg. I. Keller/L. Scholze-Irrlitz, Bautzen 2009.

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Serbska drasta
Serbska drasta
Keller, Ines
Keller, Ines
drasta a tekstilije; Frauenkleidung; Feiertag; swjedźeń; Alltagskultur; Trauerkleidung; kwas; křćeńca; drastowy swjedźeń; Haube; płat; Tuch; til; Handarbeiten; Farbensymbolik; nałožk; nałožki; Männerkleidung
drasta a tekstilije; Frauenkleidung; Feiertag; swjedźeń; Alltagskultur; Trauerkleidung; kwas; křćeńca; drastowy swjedźeń; Haube; płat; Tuch; til; Handarbeiten; Farbensymbolik; nałožk; nałožki; Männerkleidung

Drasta wjesnych a małobyrgarskich kruhow, kotraž je časowje, regionalnje, konfesionelnje a pola Serbow tež etnisce postajena. Drasta wotbłyšćuje socialny status a móže so wotwisujo wot konkretneje składnosće změnić.

Drasta wjesnych a małobyrgarskich kruhow, kotraž je časowje, regionalnje, konfesionelnje a pola Serbow tež etnisce postajena. Drasta wotbłyšćuje socialny status a móže so wotwisujo wot konkretneje składnosće změnić.

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