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Muzeje
Andrea Paulik

Sammlungen von Zeugnissen zur Geschichte, Kultur und Kunst. Das sorbische Museumswesen umfasst neben dem Sorbischen Museum in Bautzen und dem Wendischen Museum in Cottbus weitere Einrichtungen in öffentlicher, freier und privater Trägerschaft. Ihr Auftrag ist das Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln von sorbischen Kulturgütern.

Die Sammeltätigkeit begann Mitte des 19. Jh. und fand ihren ersten Höhepunkt in der Gründung des Wendischen Museums in Bautzen (1900/04). Es vereinte die Bestände der Maćica Serbska mit Exponaten der sorbischen volkskundlichen Präsentation zur Dresdener Ausstellung des Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes 1896. Dieser Schau verdankt das Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden sein Entstehen (1897), das sorbische Volkstrachten übernahm (→ Tracht). Trotz seiner Sonderstellung als Nationalmuseum der Sorben fügte sich das Wendische Museum in das Ensemble kulturgeschichtlicher Heimatmuseen ein, die bis Ende des 19. Jh. fast zwei Drittel der Neugründungen in der sächsischen Museumslandschaft ausmachten. Angesichts der Veränderungen durch die Industrialisierung dienten sie als Bewahrungsstätten von Zeugnissen der Volkskultur und der Regionalgeschichte.

Měrćin-Nowak-Njechorński-Haus in Nechern; Fotograf: Rafael Ledschbor

Freilichtmuseum in Lehde (Spreewald); Fotograf: Rafael Ledschbor

Auch deutsche Vereine, private Sammler und Museen widmeten sich sorbischen Sammlungsobjekten. Die Mitglieder der 1884 in Calau gegründeten Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde entschlossen sich, in der gesamten Niederlausitz, deren ländliche Bevölkerung damals noch weithin sorbisch war, volkskundliches Material zu sammeln und auszustellen. In der Folgezeit entstanden u. a. das Cottbuser Heimatmuseum (1887), das Lübbenauer Spreewald-Museum (1899), die Stadtmuseen in Lübben (1906), Senftenberg (1907), Spremberg (1911) und Luckau (1912). Sorbische Trachten wurden Ende des 19. Jh. auch in die Sammlungen des Prager Nationalmuseums (1818), des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (1852), des Märkischen Museums Berlin (1874) und des Museums für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes (1889; heute Museum Europäischer Kulturen) in Berlin aufgenommen.

In der NS-Zeit folgte dem Verbot sorbischer Sprache und Kulturarbeit die Zwangsauflösung des Wendischen Museums in Bautzen 1941/42. Erst 1957 konnte es als Museum für sorbische Geschichte und Volkskunde in Hoyerswerda wiedereröffnet werden. Gleichzeitig entstand im Haus der Sorben in Bautzen das Museum des sorbischen Schrifttums (1958–1983). Unter dem Motto „My smy tak bohaći“ (Wir sind so reich) regte die Domowina 1958 zusammen mit dem Institut für sorbische Volksforschung (→ Sorbisches Institut) eine umfassende Sammelaktion musealer Objekte an. In einigen vom Braunkohlenbergbau betroffenen Dörfern erfolgte eine ethnografische Dokumentation.

Neben dem 1971 nach Bautzen verlegten Museum für sorbische Geschichte und Kultur informierten mehrere Kreismuseen in der Lausitz über die Sorben. Ab den 1970er Jahren entstanden in Zusammenarbeit von Kommunen und Domowina-Ortsgruppen die ersten sorbischen Heimatstuben, so in Rohne (1972), Bröthen (1974), Heinersbrück (1979), Drebkau (1982) und Dissen (1983). In einzelnen Schulen gründete man heimatkundliche Sammlungen und Gedenkzimmer sorbischer Persönlichkeiten, so bereits 1956 in Panschwitz-Kuckau die Bart-Ćišinski- Gedenkstätte.

Heimatstube auf dem Nepila-Hof in Rohne; Fotograf: Rafael Ledschbor

Kirchliches Informations- und Begegnungszentrum Horno; Fotograf: Rafael Ledschbor

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 war ein Museumsboom zu verzeichnen. Wiederbelebte Heimatvereine und private Sammler gestalteten unter Mitwirkung der Gemeinden und bei Nutzung öffentlicher Fördermittel vielfältige Ausstellungen mit meist ortschronistischem bzw. ländlich-agrarhistorischem Charakter. Sie wurden in ungenutzten, z. T. denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht. So entstanden die Schulmuseen in Wartha (1998) und in Tätzschwitz (2001), Museen zu sorbischen Persönlichkeiten wie die Begegnungsstätte „Zejler- Smoler-Haus“ in Lohsa (1999) oder das Martin-Nowak-Neumann-Haus in Nechern (1999), dazu Freilichtmuseen wie der Nepila-Hof in Rohne (1997), der Zeißig-Hof in Groß Zeißig (2000) oder der Hans-Schuster-Hof in Trebendorf (2010), Gemeindezentren mit Ausstellungen, so das Sorbische Kulturzentrum in Schleife (1997), das Flachsmuseum „Kolasko“ in Drachhausen (2003/04) oder das Bergbau-Dokumentationszentrum „Archiv verschwundener Orte“ im Forster Ortsteil Neu-Horno (2006). Neben traditionellen Heimatmuseen wie Jänschwalde (1994/95) und Neschwitz (2004) existieren Spezialsammlungen wie das Ostereiermuseum in Sabrodt (2002). Verknüpfung von Gewerbe und Ausstellung belegen die Schauwerkstatt für Glas- und Porzellanmalerei Pattoka in der denkmalgeschützten Schrotholzscheune von Bergen (2000) und das Trachtenhaus Jatzwauk (1926, 1992) in Hoyerswerda. Touristische Anziehungspunkte bilden das Spreewald-Museum Lübbenau mit dem Freilandmuseum Lehde (1957), der Erlichthof Rietschen (1997), die rekonstruierte Slawenburg Raddusch (2003) mit ihrer archäologischen Schau und die KRABAT-Mühle in Schwarzkollm (2005/06).

Webauftritt des Sorbischen Museums in Bautzen (2020)

2013 wurde in Dissen eine slawische mittelalterliche Siedlung nachgestaltet. Um eine angemessene Darstellung sorbischer Thematik bemühen sich die Stadt- und Regionalmuseen in Bautzen (1868), Kamenz (1931), Spremberg und Hoyerswerda (1932) sowie die Schatzkammer des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau (1999). Fern der Lausitz befindet sich das Museum sorbischer Auswanderer, das Texas Wendish Heritage Museum (1980), das in Serbin (Texas, USA) sein Domizil hat (→ Auswanderung). Die Vielfalt der genannten Museen und musealen Sammlungen, ihre oft nicht eindeutige Ausrichtung auf die sorbische Thematik lassen eine exakte Einordnung in die Museumslandschaft kaum zu. Außerdem ist der Museumsbegriff in Deutschland nicht klar definiert. In der „Sorbischen Kulturroute“ des Sorbischen Kulturtourismus e. V. werden entsprechende Museen und Heimatstuben Interessenten ausdrücklich empfohlen. Der Förderung fachgerechter Betätigung dienen der Arbeitskreis Lausitzer Museen und musealer Einrichtungen, der Arbeitskreis sorbischer (wendischer) Museen und Heimatstuben in der Niederlausitz und die zuständige Sektion der Maćica Serbska.

Lit.: B. Nawka: Zum sorbischen Museumswesen und den sorbischen ethnographischen Beständen der Lausitzer Museen, in: Ethnographica II, Brno 1960; E. Schmidt: Das sorbische Museumswesen seit der Befreiung vom Faschismus, in: Lětopis C 23 (1980); E. Schmidt: Dorfmuseen und Heimatstuben in der zweisprachigen Lausitz, in: Lětopis C 24 (1981), 27 (1984); F. Eisel: Schöpfer sächsischer Museen: Sammler, Stifter, Gründer. Eine Studie zur sächsischen Museumsgeschichte, Chemnitz 2000.

Metadaty

Titl
Muzeje
Titl
Muzeje
Awtor:ka
Paulik, Andrea
Awtor:ka
Paulik, Andrea
Klučowe słowa
kulturne zarjadnišćo; zběrka; kulturne dobro; ludowěda; entnografija; stawizny; wustajeńca
Klučowe słowa
kulturne zarjadnišćo; zběrka; kulturne dobro; ludowěda; entnografija; stawizny; wustajeńca
Zjeće wobsaha

Zběrka swědstwow k stawiznam, kulturje a wuměłstwa. Serbske muzejownistwo wopřija pódla Serbskeho muzeja w Budyšinje a Serbskeho muzeja w Choćebuzu dalše institucije w zjawnym, swobodnym a priwatnym nošerstwje.

Zjeće wobsaha

Zběrka swědstwow k stawiznam, kulturje a wuměłstwa. Serbske muzejownistwo wopřija pódla Serbskeho muzeja w Budyšinje a Serbskeho muzeja w Choćebuzu dalše institucije w zjawnym, swobodnym a priwatnym nošerstwje.

Namaka so w zběrce
Namaka so w zběrce

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