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Geschriebenes Sorbisch/âWendisch im öffentlichen Raum
Glossar
Diskurs
Gibt an, welche kommunikative Funktion der Text auf einem TexttrÀger besitzt oder welchem gesellschaftlichen Bereich er angehört. Ein gegebener TexttrÀger kann zu mehr als einem Diskurs gehören.
Einrichtung
Gibt an, zu welcher Art von Institution (im weitesten Sinne) ein TexttrÀger gehört.
(weitere Informationen:)
Eine Einrichtung oder Institution umfasst sĂ€mtliche GebĂ€ude und sonstige Anlagen auf öffentlichem oder privatem Grund an einem bestimmten Standort, die einem ĂŒbergeordneten Zweck dienen und im Verantwortungsbereich eines bestimmten Betreibers oder EigentĂŒmers liegen.
Ein TexttrĂ€ger wurde genau dann einer Einrichtung zugeordnet, wenn folgende Kriterien erfĂŒllt waren:
- Ort: Der TexttrĂ€ger befand sich an deren GebĂ€ude(n), auf deren GrundstĂŒck oder in unmittelbarer NĂ€he.
- Zusammenhang: Die Zugehörigkeit des TexttrĂ€gers zur Einrichtung war fĂŒr AuĂenstehende erkennbar, etwa durch die Verwendung des Namens der Einrichtung, deren typisches Erscheinungsbild (Corporate Design) oder weil sich der Zweck und die Zielgruppe des TexttrĂ€gers nur aus dem Zusammenhang mit der Einrichtung erschlieĂen lieĂ.
- Kontrolle: Der TexttrĂ€ger wurde vermutlich vom Betreiber/EigentĂŒmer, in dessen Auftrag oder mit dessen Erlaubnis angebracht.*
*Da dies von auĂen schwer zu beurteilen ist, wurde vereinfachend davon ausgegangen, dass z. B. transgressive Beschriftungen (Aufkleber und Graffiti) sich der Kontrolle des Betreibers/EigentĂŒmers grundsĂ€tzlich entziehen und daher nicht zur Einrichtung gehören. Auch offizielle Beschilderungen wie StraĂenschilder, die teilweise an öffentlichen oder privaten Einrichtungen angebracht sind, wurden denselben nicht zugerechnet.
Gesetzlich vorgeschriebene Zweisprachigkeit
Gibt an, ob ein TexttrĂ€ger oder der darauf abgebildete TextâŻGegenstand gesetzlicher Bestimmungen zur zweisprachigenâŻ(deutsch-sorbischen)âŻBeschilderungâŻsind oder nicht. Hierbei werden drei Möglichkeiten unterschieden:
JA: Die deutsch-sorbische Zweisprachigkeit ist eindeutig gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist der Fall, wenn entweder der jeweilige Beschilderungstyp explizit in den gesetzlichen Bestimmungen genannt wird (z. B. Ortstafeln oder StraĂennamenschilder im Sorben/Wenden-Gesetz) oder wenn es sich um eine amtliche Beschilderung oder Aufschrift handelt, die mindestens einen Ortsnamen enthĂ€lt, der offiziell zweisprachig sein muss (z. B. Cottbus/ChĂłĆebuz).
NEIN: Die deutsch-sorbische Zweisprachigkeit ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
UNKLAR: Es ist nicht eindeutig gesetzlich geregelt, ob der konkrete TexttrĂ€ger zweisprachig sein muss. Dies trifft u. a. auf öffentliche GebĂ€ude im Siedlungsgebiet zu. Diese sind laut §11 des Sorben/Wenden-Gesetzes zweisprachig zu beschildern, wobei aber nicht geregelt ist, welche Beschilderungen zweisprachig ausgefĂŒhrt sein sollen.
Kategorie / TexttrÀgertyp
Gibt an, um welche Art von TexttrĂ€ger es sich handelt. Die Zuordnung eines TexttrĂ€gers zu einer Kategorie kann sich nach Ă€uĂeren Merkmalen (z. B. Material, Form, Aussehen, Position) und/oder nach dessen Zweck oder Inhalt richten. Ein gegebener TexttrĂ€ger kann deshalb in mehr als eine Kategorie fallen (z. B. in die Kategorie âAufkleberâ nach Ă€uĂeren Merkmalen und in die Kategorie âWerbungâ nach dem Zweck).
Sprachdominanz
Gibt an, welche Sprache auf einem mehrsprachigen TexttrĂ€ger qualitativ ĂŒberwiegt oder sichtbarer dargestellt ist.
(weitere Informationen:)
FĂŒr das vorliegende Projekt wurde untersucht, in welchem DominanzverhĂ€ltnis das Sorbische/Wendische zu anderen Sprachen steht, insbesondere zum Deutschen.
Die Dominanz kann hinsichtlich verschiedener Eigenschaften bestehen: ?Schriftfarbe, SchriftgröĂe, Position, QuantititĂ€t, Schriftauszeichnung.
Es ist möglich, dass eine Sprache eine andere Sprache zwar hinsichtlich einer bestimmten Eigenschaft dominiert, ihr jedoch hinsichtlich einer anderen Eigenschaft untergeordnet ist.
Sprachlandschaft
Linguistic Landscape (âSprachlandschaftâ) bezeichnet in der Sprachwissenschaft die Gesamtheit der im öffentlichen Raum sichtbaren geschriebenen Sprache auf Schildern, Plakaten, AushĂ€ngen, Informationstafeln, Graffiti etc. in einer bestimmten Region.
TexttrÀger
Mit TexttrÀger ist die materielle Grundlage gemeint, die dazu dient, Text im öffentlichen Raum darzustellen. Dabei kann es sich um Schilder, Plakate, Transparente, Aufkleber, schwarze Bretter, SchaukÀsten oder andere Objekte handeln.
(weitere Informationen:)
Im Projekt wurden nur solche Kategorien von TexttrĂ€gern dokumentiert, bei denen es zumindest einige Belege fĂŒr die Verwendung der sorbischen/wendischen Sprache gibt. Objekte, die nicht hauptsĂ€chlich dazu gedacht sind, Text darzustellen (z. B. eine Wand mit Graffiti), wurden dabei nicht kategorisiert. Stattdessen haben wir die Aufschrift selbst als TexttrĂ€ger angesehen und entsprechend klassifiziert (z. B. als âGraffitiâ). Mobile und nicht-fixierte Objekte (z. B. Autos, Kleidung, Flyer) sowie digitale TexttrĂ€ger wurden nicht dokumentiert.
In manchen FĂ€llen kann ein einziger Text auf mehrere TexttrĂ€ger verteilt sein (z. B. eine Bekanntmachung, die sich ĂŒber mehrere A4-Seiten erstreckt). Der Einfachheit halber betrachten wir solche mehrteiligen Textgrundlagen dennoch als einen einzigen TexttrĂ€ger, sofern der inhaltliche, sprachliche und optisch-gestalterische Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen klar erkennbar ist. Das heiĂt: Es muss sich um einen einzigen Text handeln, der unvollstĂ€ndig wĂ€re, sobald man einen TeiltexttrĂ€ger entfernen wĂŒrde. Umgekehrt kann auch ein einziger TexttrĂ€ger mehrere Texte enthalten (z. B. eine beidseitig bedruckte Ortstafel).
Ăbersetzung / Ăbersetzungsdistribution
Gibt an, wie die Information auf einem mehrsprachigen TexttrÀger sprachlich aufgeteilt ist.
Ăbersetzung, duplizierende
This defintion comes from the research done by Mechthild Reh (2004). âThe term ââduplicating multilingual writingââ refers to those practices in which exactly the same text is presented in more than one language.â (Reh 2004, 8)
Ăbersetzung, fragmentarische
This defintion comes from the research done by Mechthild Reh (2004). "The term ââfragmentary multilingualismââ is used for multilingual texts in which the full information is given only in one language, but in which selected parts have been translated into an additional language or additional languages.â (Reh 2004, 10)
Ăbersetzung, komplementĂ€re
This defintion comes from the research done by Mechthild Reh (2004). "Texts in which different parts of the overall information are each rendered in a different language are said to display complementary multilingualism, since knowledge of all the languages involved is required to understand the whole messageâ (Reh 2004, 14).
Ăbersetzung, ĂŒberlappend
This defintion comes from the research done by Mechthild Reh (2004). "Multilingual writing on stationary objects is termed overlapping if only part of its information is repeated in at least one more language, while other parts of the text are in one language only" (Reh 2004, 12). An example of a sign with overlapping translations can be found here.